Ernährung und Epilepsie: Was ist die Low Glycemic Index Diet (LGIT)?
Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken oder starke Nebenwirkungen verursachen, suchen manche Familien nach ergänzenden Möglichkeiten, den Alltag mit einem betroffenen Kind stabiler zu gestalten. Eine Option, die in diesem Zusammenhang diskutiert wird, ist die Ernährungstherapie. Dazu gehört unter anderem die Low Glycemic Index Diet, kurz LGIT. Aber ist Ernährung und Epilepsie überhaupt ein Thema?
Sie gilt als weniger strikt als die klassische ketogene Ernährung (im Beitrag Rezepte speziell für Kinder) Ketogene Ernährung (mehr zur Ketogenen Ernährung im Beitrag) und wird deshalb manchmal als alltagstauglichere Alternative betrachtet.
Was bedeutet Low Glycemic Index Diet?
Die Low Glycemic Index Diet konzentriert sich auf Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index. Dieser beschreibt, wie stark ein Nahrungsmittel den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Bei der LGIT liegt der Fokus auf Kohlenhydraten, die den Blutzucker nur langsam erhöhen.
Hintergrund dieser Ernährungsform ist die Beobachtung, dass starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels bei einigen Epilepsieformen als möglicher Anfallsfaktor diskutiert werden.
Im Unterschied zur klassischen ketogenen Ernährung verzichtet die LGIT nicht vollständig auf Kohlenhydrate. Stattdessen wird auf deren Qualität und Menge geachtet.
Typisch sind:
- langsame Kohlenhydrate wie Hülsenfrüchte oder Haferprodukte
- gesunde Fette aus Nüssen, Samen oder Avocados
- moderater Eiweißanteil
- Vermeidung stark verarbeiteter und zuckerreicher Lebensmittel
Einordnung im Alltag
Die LGIT wird von einigen Familien als leichter umsetzbar beschrieben als streng kohlenhydratarme Diäten. Lebensmittelvielfalt bleibt eher erhalten, Mahlzeiten können einfacher in Schule oder Kindergarten integriert werden, und das gemeinsame Essen in der Familie ist oft weniger eingeschränkt.
Dennoch bedeutet auch diese Ernährungsform Planung, Aufmerksamkeit und eine gewisse Umstellung im Alltag. Nicht jedes Kind akzeptiert neue Lebensmittel sofort, und nicht jede Familie erlebt eine Verbesserung der Situation.
Was bedeutet der glykämische Index im Alltag kurz gesagt?
Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index lassen den Blutzucker langsamer ansteigen. Dazu zählen beispielsweise:
- Hülsenfrüchte
- Nüsse und Samen
- Beeren
- grünes Gemüse
- Vollfette Milchprodukte
- Haferkleie und Haferflocken
Stärker verarbeitete Produkte, Weißmehlgebäck, zuckerreiche Snacks oder gesüßte Getränke führen dagegen zu schnellen Blutzuckerspitzen.
Ein genauer Blick auf Zutatenlisten kann hilfreich sein, da Zucker häufig auch in verarbeiteten Produkten wie Saucen, Joghurts oder Fertiggerichten enthalten ist. Mehr zum Thema Zucker: Zuckerfallen im Alltag
Umsetzung nur in fachlicher Begleitung
Ernährungstherapien sollten nie eigenständig begonnen werden. Besonders bei Kindern ist es wichtig, die Versorgung mit Energie und Nährstoffen sicherzustellen.
Eine Umstellung sollte deshalb immer in Absprache mit:
- behandelnden Ärztinnen und Ärzten
- Ernährungsfachkräften
- gegebenenfalls spezialisierten Epilepsiezentren
erfolgen.
Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten müssen berücksichtigt werden.
Alltag bleibt individuell
Familien berichten sehr unterschiedlich über ihre Erfahrungen mit der LGIT. Manche beobachten stabilere Blutzuckerwerte oder Veränderungen im Anfallsverhalten, andere stellen keine Verbesserung fest. Ebenso kann die Umsetzung im Alltag als entlastend oder zusätzlich belastend empfunden werden.
Epilepsie verläuft individuell. Was in einer Situation hilfreich ist, kann in einer anderen nicht passen.
Schlussgedanke
Die Low Glycemic Index Diet kann für manche Familien eine unterstützende Option darstellen. Gleichzeitig bleibt der Alltag mit einem Kind mit Epilepsie oft komplex und verlangt individuelle Lösungen, Geduld und medizinische Begleitung. Dieser Beitrag möchte informieren und Orientierung bieten, ohne einfache Antworten auf eine vielschichtige Lebenssituation zu versprechen.
